Wenn ich heute an diesen Tag im Juni zurückdenke, spüre ich noch immer das Herzklopfen, das mich damals durchströmt hat. Es war mein erster Halbmarathon – der Over Borders Half Marathon, der mich nicht nur körperlich, sondern auch emotional an meine Grenzen und darüber hinaus geführt hat. Und mit dem Gefühl, ich hätte mich vielleicht doch eher für einen entspannten Aperol am Strand statt für 21 Kilometer anmelden sollen.
Ankunft in Lignano – das Kribbeln beginnt
Wir kamen zu Mittag in Lignano an. Das Meer rauschte, die Sonne stand schon kräftig am Himmel, und ich spürte dieses Kribbeln im Bauch, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Direkt am Strand in Lignano holte ich mein Starterpaket und die Startnummer ab. Allein das war schon aufregend – dieser Umschlag mit der Nummer fühlte sich wie ein Eintrittsticket in eine andere Welt an.
Im Hotelzimmer legte ich sofort alles zurecht: Schuhe, Hose, Shirt, Startnummer. Es war fast ein kleines Ritual, so als wollte ich den Lauf schon im Zimmer ein bisschen „proben“. Alles lag ordentlich parat, während ich innerlich schon mit den Kilometern kämpfte.
Fahrt nach Bibione – Nervosität auf dem Beifahrersitz
Am späten Nachmittag brachte mich mein Mann zum Start nach Bibione. Während er ruhig fuhr, saß ich daneben wie auf glühenden Kohlen. Die Landschaft draußen war traumhaft, aber ich sah eigentlich nur die Strecke vor mir. Gedanken im Dauerschleifen-Modus: „Bin ich gut vorbereitet? Halte ich die Hitze aus? Was, wenn mein Körper schlappmacht?“
Ein kurzer, aufmunternder Blick von ihm, ein Satz wie „Genieß es“ – und ich wusste, ich war nicht allein in diesem Abenteuer.
Der Start – heiß, dunstig, pulsierend
Punkt 18 Uhr fiel der Startschuss. Schon in diesem Moment standen die Bedingungen klar gegen uns Läufer: knapp 28 Grad, drückend dunstig – und mein Puls? Schon bei 175, noch bevor ich den ersten richtigen Schritt gemacht hatte. Ein Teil von mir dachte: Na, das kann ja heiter werden.
Und trotzdem setzte ich mich in Bewegung, getragen von der Energie der Menge. Durch Bibione liefen wir, vorbei an Strandbars und Palmen. Menschen klatschten, Kinder jubelten – und ich spürte, wie mein Herz raste, aber auch, wie mein Wille stärker wurde.
Über Grenzen – und über mich selbst
Nach etwa zehn Kilometern erreichten wir die Brücke über den Tagliamento. Es war der Moment, auf den ich mich besonders gefreut hatte: unter mir der Fluss, vor mir die offene Strecke, und in meinem Kopf der Gedanke: Du überschreitest gerade nicht nur eine Landesgrenze, sondern auch deine eigenen.
Die Hitze nagte, der Schweiß lief, die Beine wurden schwerer. Aber ich hielt durch. Kilometer für Kilometer.
Der innere Kampf – und die Pacerinnen mit der Pfeife
Ab Kilometer 15 begann der eigentliche Kampf. Jeder Schritt fühlte sich doppelt so schwer an. Meine Beine wollten am liebsten stehen bleiben, mein Kopf machte Überstunden: „Wär’s nicht schön, jetzt am Strand zu liegen?“
Und dann kamen die Pacerinnen. Sie liefen gleichmäßig, zuverlässig, wie kleine Lokomotiven mit bunten Fähnchen – und sie waren für mich Rettungsanker. Sie halfen mir, das Tempo zu halten und nicht aufzugeben, auch als alles in mir eigentlich Pause schreien wollte.
Das Einzige, was ich zwischendurch wirklich gern abgestellt hätte, war diese kleine Pfeife. Immer wieder. Mein Kopf dachte irgendwann nur noch: „Ja, ich weiß, wir laufen noch! Ihr müsst mich nicht alle 30 Sekunden akustisch daran erinnern!“ 😅 Aber gleichzeitig war genau diese nervige Pfeife auch das, was mich Schritt für Schritt weitertrieb.
Das Ziel – Gänsehaut und Erleichterung
Und dann, endlich, tauchte die Beach Arena in Lignano auf. Jubel, Lichter, Musik. Die letzten Meter waren ein Rausch. Ich hob die Arme, lief durch den Zielbogen – und plötzlich war alles da: Erleichterung, Stolz, Freude, Tränen. Ich hatte es geschafft. Trotz Hitze, trotz Puls bei 175, trotz innerem Drama – und ja, trotz dieser Pfeife.
Mein Fazit – heiß, anstrengend, unvergesslich
Wenn ich heute zurückblicke, weiß ich: Dieser Halbmarathon war nicht nur ein sportlicher Wettkampf. Es war ein Grenzgang – zwischen Regionen, zwischen Erschöpfung und Euphorie, zwischen Zweifel und Stärke. Die Hitze, der hohe Puls, der innere Kampf – alles ist Teil der Erinnerung. Aber genauso die Zuschauer, die Pacerinnen, die Pfeife (ja, auch die!), und vor allem das Gefühl im Ziel: Ich habe nicht aufgegeben. Ich habe es geschafft.
Und ganz ehrlich? Beim nächsten Mal werde ich wieder am Start stehen – vielleicht ein paar Schweißperlen weniger, aber bestimmt mit genauso viel Herzklopfen.














